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Transalp
Nauders
  Von Nauders ins Münstertal –
Heiße Trails und glühende Bremsen im Dreiländereck   VI
(54 Kilometer / 1.020 Höhenmeter)
  »Eins, zwei, drei – dreizehn!« zählt Hilti durch. Dreizehn? Wieso dreizehn, wir sind doch fünfzehn. »Wo sind denn Jan und Winni?« blickt Hilti fragend in die Runde. Nicht da! »Wer war Letzter?« Hiltis vorwurfsvolle Blicke treffen Olli und Frank. »Du« – »Nein, Du warst hinten!« lauten die schuldzuweisenden Erklärungsversuche der Beiden. Egal – Fakt ist, dass Jan und Winni sich bei der Abfahrt von der Staumauer offensichtlich an ein falsches Hinterrad gehängt haben und dem Radweg hinunter zum Haidersee gefolgt sind, den die meisten Biker nehmen, aber eben nicht wir. Zornesröte steht Hilti ins Gesicht geschrieben, während sie per Handy die Zwei zur Gruppe zurückbeordert, wo sie ihnen erst einmal die Leviten liest. Mit 20 Minuten Verspätung steigt Hilti aufs Rad und tritt in die Pedalen, während sie immer noch leise vor sich hin schimpft.

Aber Hiltis Ärger ist schon bald verraucht. Wir verlassen San Valentino auf einer unbefahrenen schmalen Asphalttrasse, die an den landestypischen Berghöfen vorbei bergauf nach Ulten führt. Dort heißt es nun Gas geben und die Bremsen zum Glühen bringen. Es geht nämlich auf eine heiße Abfahrt, die mitten durch die grünen Almwiesen führt und auf der die Geschwindigkeitsfanatiker unter uns voll auf ihre Kosten kommen. Feuer frei – als Olli bei Vollgas auf seinen Tacho schaut, traut er seinen Augen nicht: 82 km/h. Wenn jetzt nur keine Speiche bricht. In diesem Moment löst sich Addi mit seinem ‚Fusion’ aus dem Windschatten unseres Langen und fliegt mit über 90 Sachen an Olli vorbei, bevor es durch die nächste Kurve geht. Donnerwetter – Hals- und Beinbruch! Aber schon ertönt von vorne bereits das Quietschen von Bremsen und es riecht nach verbrannten Bremsbelägen, als Hilti in einen winzigen Trail am linken Straßenrand einbiegt.