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Masuren
Pillau
Käptänsdinner auf der 'Translubeca' – mit Krimsekt und Plutonium über die Ostsee   II
  Früher führte diese Straße die Königsberger geradewegs in die Sommerfrische. Cranz, Rauschen, Palmnicken lauteten die Namen der ehemals eleganten Ostseebäder, die zu einem Ausflug auf die Kurische Nehrung und ans Frische Haff lockten. Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Heute sitzen nicht Badeurlauber sondern russische Arbeiter in grauen Overalls in der Elektrijka, der kleinen Vorortbahn, die von Kaliningrad an die Ostseeküste führt. Gartenstadt, Großheidekrug, Fischhausen – vor 60 Jahren rückten die russischen Panzer der Roten Armee durch die ehemals deutschen Ortschaften auf das damalige Pillau zu, wo sich eines der größten Flüchtlingsdramen der Zweiten Weltkrieges ereignen sollte. Nach der Einkesselung Königsbergs durch die Rote Armee im Januar 1945, bleibt den Eingeschlossenen nur noch der verzweifelte Fluchtweg über die Ostsee. Bei Temperaturen von minus 20 Grad drängen sich über 250.000 deutsche Flüchtlinge in dem 50 Kilometer von Königsberg gelegenen Hafenstädtchen Pillau und den umliegenden Fischerdörfern zusammen. Viele fliehen zu Fuß über das vereiste Haff, andere warten auf ein rettendes Schiff. Die meisten von ihnen kommen bei dem Versuch dem Kriegschaos zu entgehen ums Leben...
 
  Gegen kurz vor 6 tauchen vor uns die im Sowjetstil gehaltenen grauen Plattenbauten von Baltisk auf. Das ehemalige Pillau ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Stützpunkt der Baltischen Flotte und ein streng abgeschottetes Militärgebiet. In die ehemaligen Kasernen der deutschen Wehrmacht zogen 1946 nach der Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung die Sowjetsoldaten ein, benannten die Stadt mit ihren heute 55.000 Einwohnern von Pillau in Baltisk um und machten sie zur militärischen Sperrzone. Mehr als 15 Jahre nach Beginn der Perestroika hat sich daran nichts geändert – Ausländer dürfen das Sperrgebiet nur mit einer Genehmigung des staatlichen russischen Geheimdienstes betreten...