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Masuren
Kaliningrad
Kaliningrad – in den Armen von Mütterchen Russland   III
  Aber wo ist eigentlich Jan? Zuletzt haben wir Hippo in der Bahnhofshalle gesehen und dachten, er sei schon auf's Gleis vorgegangen. Aber hier ist von ihm nichts zu sehen und wie wir unseren Chaoten kennen hat der auch keine Ahnung, auf welchem Gleis unser Zug abfährt, geschweige denn, wie unser Zielbahnhof heißt. 8.50 Uhr – noch drei Minuten und von Jan keine Spur. Der hat weder Ticket, noch Zloty und im Zweifel auch keinen Plan. Dann hat Olli die rettende Idee: wir rufen Jan auf seinem Handy an und dirigieren ihn zu Gleis 5. Mit dem Pfiff des Schaffners und dem Schließen der Türen springt Jan noch in den Zug und dann beginnt unsere Weiterfahrt an die russische Grenze…

Während der Zug die Außenbezirke von Olsztyn verlässt, werfen wir einen hungrigen Blick in unsere Lunchpakete. Gekochte Eier, dick belegte Stullen und für jeden ein frischer Apfel – it's breakfast-time. Derweil verlassen wir mit Olsztyn die Masuren und holpern der russischen Grenze entgegen. Gerstengelbe Felder, sattbraune Hügel ziehen sich bis zum Horizont. Hier hüteten vor 60 Jahren preußische Großgrundbesitzer ihre riesigen Güter, als die Ortschaften noch Namen wie Guttstadt, Wormditt und Mehlsack trugen. Und seither scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein. Dicht besiedelt ist die weitläufige Landschaft nicht. Nur vereinzelt taucht einmal ein zur Ruine verfallener Bauernhof auf. Kaum haben sich aber eine Hand voll bewohnter Höfe zu einem Dorf zusammengeschart, dann gibt es auch einen dazugehörenden Bahnhof. Von den Bahnhofsgebäuden fällt der Putz, blättert die Farbe ab und auf den Bahnsteigen wächst hüfthoch das Gras. Aber davon lassen sich die mit Tüten bepackten Menschen nicht stören, die auf unseren modernen und so gar nicht in dieses Bild passenden Zug warten…