Im ewigen Eis des Cevedale – Auf 4.000 Meter Aug’ in Aug’ mit dem Ötzi 1. Tourpunkt: Ötzi – wir kommen! zur Startseite 2. Tourpunkt: Unser erster 3.000er: die Schöntaufspitze 3. Tourpunkt: Besteigung der Madritschspitze 5. Tourpunkt: Dünne Luft: Auf dem Gipfel des Monte Cevedale 6. Tourpunkt: Im Reich der Murmeltiere: Auf der Marmotta 7. Tourpunkt: Wildes Wasser – Rafting auf der Passer 4. Tourpunkt: Zwischen Gletschern und Kanonen: der Aufstieg zur Casatihütte
Home
Madritschspitze
  Besteigung der Madritschspitze  I

Zweiter Tag, würzige Waldluft strömt durch das geöffnete Fenster ins Zimmer, draußen geht die Sonne über den Nonnenspitzen auf; es verspricht wieder ein traumhafter Tag in den Bergen zu werden. Um 8.00 Uhr scharren wir vor der Hütte bereits mit den Hufen und sind abmarschbereit. In der Nacht hat es geregnet, überall in den Hängen gluckert und gluckst es, sammelt sich das Wasser, um über den Wanderweg talwärts zu fließen…

Wir folgen dem komfortabel ausgebauten Höhenweg, der oberhalb des rauschenden Plimabaches entlangführt, der von schmelzendem Gletscherwasser aus dem Cevedale-Massiv gespeist wird. Der Weg steigt nicht allzu steil an und führt an den Überresten des Klösterle, wahrscheinlich einem ehemaligen Hospiz, vorbei. Der Muskelkater der gestrigen Tour ist fast vergessen beim Anblick dieser wildromantischen Bergwelt, mit ihren blühenden Almenwiesen und den alles beherrschenden Gletschern, die bläulich in der Sonne glänzen. Auf der gegenüberliegenden Seite können wir eine Seilschaft beobachten, die gerade die Veneziaspitzen überquert. Dann stoßen wir auf die ersten Bergbewohner: Schafe, die hier oben auf den Weiden den Sommer verbringen, deren Glocken durch das Tal schallen und die uns aus großen Augen fragend anglotzen…

Schließlich verlassen wir den Steig, der zu den Gletschern des Cevedale hinaufführt, und biegen nach rechts in das Butzental ein, an dessen Ende sich die Madritschspitze, unser heutiges Etappenziel, auftürmt. Erst geht es noch über saftige Wiesen (Vorsicht, Schafscheiße!), dann überschreiten wir die 2.800-Meter-Marke und stoßen auf die ersten Schneefelder, als im Westen dunkle Wolken aufziehen und es sich mit einem Mal deutlich abkühlt. »Gewitter« meint Robert beiläufig, »die ziehen hier in den Bergen nachmittags oft auf«. Prima, vor unserem geistigen Auge sehen wir bereits die Schlagzeilen in Deutschland: »Deutsche Bergsteigergruppe vom Blitz ans Gipfelkreuz genagelt«…

 

Martelltal