1. Tourpunkt: Dracula – wir kommen! Auf Draculas Spuren – Mit einem Floß durch die Karpaten 2. Tourpunkt: Herrmannstadt – von Sachsen und Zigeunern 3. Tourpunkt: Floßbau leicht gemacht 5. Tourpunkt: Auf dem Gipfel der Cozia 6. Tourpunkt: …zurück in die Zivilisation!! zur Startseite
4. Tourpunkt: Mit der Vaseline durch die Karpaten
Herrmannstadt
 
Herrmannstadt –
von Sachsen und Zigeunern  II

Rund um den Marktplatz, den Piata Mare, stehen einige der architektonisch schönsten Bürgerhäuser, die von der deutschen Geschichte und Kultur der Stadt zeugen…
Wir überqueren den Marktplatz und die Lügenbrücke, jene berühmte kleine Brücke, die der Sage nach zusammenbrechen soll, wenn ein Lügner sie betritt – sie hält! Weiter geht’s, hinüber zur evangelischen Pfarrkirche, die aus dem 14. Jahrhundert stammt und sonntags Treffpunkt der deutschen Gemeinde ist. Ihr gegenüber befindet sich das deutsche Gymnasium, das 1380 erstmals Erwähnung findet und in dem auch heute noch unterrichtet wird…

 
Marktzeit – wir benötigen Verpflegung für die nächsten Tage auf dem Fluss. In der Unterstadt ist Wochenmarkt. Siebenbürgen ist ein Agrarland. Aus dem Umland sind die Bauern und Zigeuner in die Stadt gereist und bieten ihre Waren an. Berge von Melonen, Knoblauchzöpfen gegen Vampire, frische Pfirsiche, Käse und duftende Kräuter verteilen sich über die Marktfläche. Überall wird gehandelt und gefeilscht. Mit einem dicken Bündel Lei in der Hand (10.000,00 Lei = 1,00 DM) und den Auftrag, Käse, Obst oder Gemüse zu kaufen stürzen wir uns in’s Gewühl.
Unsere Ausbeute nach zähen rumänischen Verhandlungen: zwei riesige Wassermelonen, zwei Kilo Pflaumen, Äpfel und eine große Stiege Pfirsiche…
14.30 Uhr: Wir verlassen Herrmannstadt. Am Bahnhof steht unser Zug, der uns nach Avrig an den Fuß der Karpaten bringen soll, den Ausgangspunkt unserer Floßfahrt. Gemächlich zuckelt der Zug durch die grünen Ebenen, den Karpatengipfeln entgegen. Oftmals führen nur schmale Feldwege an die Gleise, wo die Menschen stehen, um vom Zug mitgenommen zu werden. Hühner kreuzen unseren Weg, picken zwischen den Schienen und werden zu Verkehrsopfern…

Gegen 16.00 Uhr erreichen wir Avrig, einer Zigeunerstadt am Rande des Karpatenbogens. Wir verlassen den Zug und werden von neugierigen Zigeuneraugen beobachtet. Auf uns warten zwei Pferdefuhrwerke, vor die je ein klappriger, abgemagerter Gaul gespannt ist. Man gibt uns zu verstehen, dass wir die Wagen besteigen sollen, die Gäule würden das schon schaffen. Das kann nicht gut gehen! Als den Gäulen schließlich der Schaum vor den Mäulern steht, heißt es absitzen und marschieren, auch wenn die Zigeuner säuerlich dreinblicken, denn ihnen geht gerade ein dickes Bündel Lei flöten gegangen...


Home

 

Karpaten