1. Tourpunkt: Dracula – wir kommen! Auf Draculas Spuren – Mit einem Floß durch die Karpaten 2. Tourpunkt: Herrmannstadt – von Sachsen und Zigeunern 3. Tourpunkt: Floßbau leicht gemacht 5. Tourpunkt: Auf dem Gipfel der Cozia 6. Tourpunkt: …zurück in die Zivilisation!! zur Startseite
4. Tourpunkt: Mit der Vaseline durch die Karpaten
Dracula

 
Dracula – wir kommen!  III

Grenzbahnhof Curtisi. Hier soll unser Tourguide zu uns stoßen, mit neuen Zugtickets, denn unsere Fahrkarten haben in Rumänien keine Gültigkeit. Und tatsächlich, dort hinten läuft eine junge Frau mit einem breitkrempigen Camel-Hut über die Gleise und hält auf unseren Waggon zu: Liane, unsere Tourguide, hat nicht nur die Fahrkarten für die Weiterfahrt durch Rumänien bei sich, sondern auch einen Korb mit frischem Obst und eine 1 _ Liter Flasche Schnaps, die sie zur Begrüßung der Gruppe nach rumänischer Sitte so lange kreisen lässt, bis diese geleert ist. Na dann – »norok«!…

Von nun an fährt unser Zug durch die Ebenen Siebenbürgens, vorbei an Feldern und kleinen Dörfern. Pferdefuhrwerke zeugen von dem ländlichen Leben der Menschen, an den Bahnhöfen stehen die Familien direkt an den Gleisen, Zigeunerkinder besteigen unseren Waggon und verkaufen Erfrischungen. Fünf Stunden rollen wir durch diese schöne, immer hügeliger werdende Landschaft, bis wir gegen 18.00 Uhr endlich an unserem Zielbahnhof in Alba Iulia ankommen…

  In Alba Iulia, dem ehemalige Karlsburg, treffen wir Kurt. Während der Rest der Gruppe den auf uns wartenden Kleinbus besteigt, werden wir mit Kurt in seinem weißen Dacia nach Herrmannstadt fahren. Kurt ist Lehrer an einer deutschsprachigen Schule in Herrmannstadt und einer von noch etwa 1.000 verbliebenen Siebenbürger Sachsen. Auf der etwa einstündigen Autofahrt nach Herrmannstadt erzählt er uns, weshalb er nicht, wie die meisten seiner Freunde und Bekannten, nach Deutschland oder Österreich ausgewandert ist…  
 

»Ich habe geglaubt, nach der Revolution 1990 in Rumänien etwas verändern zu können«, erzählt uns Kurt. Er habe fest daran geglaubt, dass die unter dem Caucescue-Regime noch gängigen Repressalien nun ein Ende haben und Siebenbürgen eine deutsch-kulturelle Zukunft erhalten werde. Als sich dann 1990 die Grenzen öffneten, hätten viele seiner Freunde die alte Heimat verlassen und seien in den Westen gegangen. »Komm mit Kurt«, hätten sie zu ihm gesagt, »Sei nicht so dumm zu glauben, Du könntest hier etwas ändern.« Doch er habe an einen Neuaufbau geglaubt, sei geblieben und enttäuscht worden. »Bundespräsident von Weizäcker hat uns damals versprochen, die Türen für uns Siebenbürger Sachsen würden offen bleiben, wir könnten später jederzeit nach Deutschland kommen und bleiben. Doch er hat uns belogen«, sagt Kurt verbittert. »Jetzt ist es zu spät, eine Aufenthaltserlaubnis kriege ich nicht mehr.« Er habe ursprünglich Pilot werden wollen. Obwohl die Ausbildung in Rumänisch gewesen sei, hätte er die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt, den Eignungstest als Bester bestanden. »Aber die Rumänen haben mich nicht genommen, weil ich als Deutschstämmiger als potentieller Vaterlandsverräter gegolten habe.« Statt dessen habe er Frondienste beim Bau des Donau-Schwarzmeerkanals ableisten müssen, den er mit vielen anderen Sachsen in die heiße rumänische Erde gegraben habe…

 
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